Svalbard
Eine von Norwegen verwaltete Inselgruppe im Nordatlantik und Arktischen Ozean ist Svalbard. Die gesamte Inselgruppe wird im deutschen Sprachgebrauch nach der Hauptinsel Spitzbergen bezeichnet.
In erster Linie erfolgte die Besiedlung Svalbard ab etwa 1900 wegen reicher Kohlevorkommen. Als „größtes Labor der Welt“ gilt Svalbard in neuerer Zeit für Arktisforschung, zu dem auch ein Startplatz für Forschungsraketen gehört.
Die größten Inseln von Svalbard sind Spitzbergen, Nordostland, Barentsoya, Edgeoya und Prinz-Karl-Vorland.
Der Newtontoppen, dessen Höhe meist mit 1.717 Metern angegeben wird, ist die höchste Erhebung der Insel Spitzbergen.
Ähnlich wie die Westküste von Norwegen, sind die Küsten der Insel stark zerklüftet und von Fjorden durchsetzt. Ein wichtiges Verkehrsmittel ist daher das Boot, besonders im Sommer, wenn die sumpfige Tundra nicht auf dem Landweg durchquert werden kann. Von Gletschern ist mehr als 60 Prozent der Landfläche von Svalbard bedeckt.
Klima
In Svalbard gilt das Klima als arktisch. Bei hohen Niederschlägen ist es das ganze Jahr kühl. Im Sommer sind die Küstenregionen nur für ca. 6 Wochen schneefrei, die Fjorde frieren im Winter nur zeitweise zu.
Fauna
Das Rentier, der Eisbär und der Polarfuchs kommen auf Svalbard an größeren Landsäugetieren vor.
Die Population des Eisbärs ist im Gebiet der Inselgruppe bei ca. 3000 Tieren. Dieses Tier hält sich allerdings hauptsächlich auf dem umliegenden Meereis auf. Mit der Packeisgrenze wandert der Eisbär die Küste entlang, da sich dort seine bevorzugte Beute, die Robben, aufhalten. Allerdings muss auf der ganzen Insel jederzeit mit dem Auftauchen des Raubtiers gerechnet werden. Daher ist es verboten, sich außerhalb von Siedlungen ohne geeignete Waffe oder ohne bewaffneten Führer aufzuhalten.
Das Spitzbergen-Ren, die hier lebende Unterart der Rentiere, ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis. Das Spitzbergen-Ren kommt nur auf Svalbard vor. Das kleinste der verbreiteten Säugetiere ist der Polarfuchs. Früher wurde der Polarfuchs wegen seines weißen Fells, intensiv mit Fallen bejagt.
Sehr selten bzw. fehlen ganz, sind andere Landsäugetiere. Um Longyearbyen wurde die Feldmaus gesichtet, allerdings vermutet man, dass sie durch Schiffe eingeschleppt wurde.
Vor dem Beginn des groß angelegten Walfanges war die Zahl der Meeressäuger bedeutend höher. Große Fangflotten waren lange Zeit unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper und später auch verschiedene Furchenwale bejagten. In diesem Gebiet gab es schon immer wenige Narwale. Die Anzahl der Weißwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Im verstärkten Maß gilt das gleiche auch für Walrosse, die vollständig von den westlichen Küsten vertrieben wurden. Die Sattelrobbe, die Ringelrobe, die Bartrobbe und verienzelt auch die Klappmütze sind andere Robben, die auf Svalbard vorkommen.
Arm an Arten ist die Vogelwelt – lediglich 30 brüten auf den Inseln. Die Alkenvögel, die in riesigen Kolonien brüten, sind am Häufigsten. Weiters findetman die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, den Krabbentuacher, den Papageientaucher und die Trottellumme. Auch verschiedene Möwenarten kommen vor (Dreizehenmöwe, Eismöwe, Elfenbeinmöwe und viele andere), alle vier europäischen Raubmöwen, der Eissturmvogel, verschiedene Limikolen, die Küstenseeschwalbe und der Sterntaucher. Die Kurzschnabelganz, die Ringelgans, dieWeißwangengans, die Eiderente und selten die Prachteiderente kommen an Entenvögeln auf Svalbard vor. Das Alpenschneehuhn kommt im Landesinneren vor, die einzige Vogelart, die auch den Winter hier verbringt. Die Schneeammer besiedelt als einzige Singvogelart die Inselgruppe.
Unzählige kleine Krebstiere leben in Süßwasseransammlungen, wobei die Art Lepidurus glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge fällt.
Flora
Für die hiesige Tundrenvegetation ist die Pflanzenwelt typisch. Als Blütenpflanzen findet man Steinbrecharten, Fingerkraut, Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gräser, Löwenzahn und Wollgras. Die Zwergbirke ist der größte Busch, en man jedoch nur selten antrifft.
Zusammenhängende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmaße erreiche, bilden Moose. Entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht, finden man den reichsten Bewuchs. Reich an Algen ist das umliegende Meer. Die Algen leben auch im Polarwinter unter der Eisdecke. Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden können, sind besonders auffällig. Kieselalgen und Armleuchteralgen leben in Süßwassertümpeln. Auf dem Schnee leben Schneealgen und färben ihn grün oder rot. Diese Färbung tritt vor allem im Sommer in der Nähe von Vogelkolonien auf, da der Kot der Tiere Stickstoff liefert.
Bevölkerung
Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen mit circa 1.800 Einwohnern ist die Hauptstadt von Svalbard. Auch die Universität UNIS befindet sich dort. Außerdem gibt es die russisch-ukrainische Siedlung Barentsburg mit ca. 900 Einwohnern. Ny-Alesund ist ein norwegisch-internationales Forschungszentrum, in dem zwischen 40 und 100 Forscher tätig sind (abhängig von der Jahreszeit). Bis zu 200 Grubenarbeiter arbeiten in Svea, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. In Hornsund findet man eine polnische Forschungsstation, die acht Bewohner zählt. Die russische Kohlegrupe in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst wurde im Jahr 2000 aufgegeben. Die ehemalige sowjetische Siedlung Grumant wurde ebenfalls aufgegeben. Svalbard hat heute insgesamt 2.700 bis 2.800 ständige Bewohner.
Tourismus
Auch vom Tourismus lebt Svalbard. Hauptsächlich findet dieser um Longyearbyen statt oder auf Schiffen, die die Inselgruppe umrunden und dabei auch Landgänge anbieten. Es ist allerdings nicht erlaubt, die Ortschaften unbewaffnet zu verlassen, da auf den Inseln Eisbären leben. Man braucht für Wanderungen entweder einen bewaffneten Führer oder eine Genehmigung des Sysselmannen – im Area 10 Longyearbyen-Barentsburg-Kap Linne-Sveagruva und rund um Pyramiden und Ny Alesund können Expeditionstrekkingtouren unternommen werden. Für diese Touren sind Ausrüstung und Bewaffnung erforderlich – eine Anmeldung sollte beim Sysselman erfolgen.